Literarische Zeitschriften

SS 2010, Universität Regensburg
Blockseminar: Vier Blocksitzungen, Freitag, 12-18, 29.4.2010, 21.5.2010, 18.6.10, 16.7.2010, jeweils in ZH 8
Leitung: Dr. Susanne Krones

Die literarische Zeitschrift Akzente, die seit 1954 im Carl Hanser Verlag erscheint, verstand sich von Gründung an als Zeitschrift ohne Programm und als Plattform für die Förderung junger Talente: Hans Magnus Enzensberger debütierte in den Akzenten, Günter Grass publizierte dort als junger Autor und wurde in der Folge wesentlich von Herausgeber Walter Höllerer gefördert, Ingeborg Bachmann war von der ersten Ausgabe an Akzente-Autorin. Die Zeitschrift wurde zum Seismograph literarischer Strömungen von den Exilanten und Vertretern einer „inneren Emigration“ über die Gruppe 47 bis zu den Verfechtern radikaler ästhetischer und literaturtheoretischer Positionen. Auch für die Vermittlung ausländischer Literatur in der Bundesrepublik spielte sie eine zentrale Rolle. Inzwischen haben sich die Funktionen literarischer Zeitschriften verändert: Vom mächtigen Akteur des literarischen Feldes sind sie zu einem stillen und unauffälligen Schutzraum für Literatur geworden. Während die Akzente bis heute in kaum veränderter Ausstattung im Carl Hanser Verlag erscheinen, haben sich ihre oft kurzlebigeren Konkurrenzzeitschriften in schneller Folge abgelöst. Von Texte und Zeichen über Sprache im technischen Zeitalter bis Edit und BellaTriste sollen auch sie Gegenstand dieses Seminars sein.

Das Seminar wirft – u.a. über die umfangreichen Autorenbriefwechsel der Akzente-Redaktion – einen Blick hinter die Kulissen der Akzente, der bedeutendsten literarischen Zeitschrift der Bundesrepublik. Mit dem Schwerpunkt auf den Aufgaben und der Perspektive des Lektors und Redakteurs – die Seminarleiterin ist im Lektorat des Deutschen Taschenbuch Verlags und Carl Hanser Verlags tätig – lernen die Studierenden die verschiedenen Berufsbilder im Literaturbetrieb kennen und erfahren, wie literarische Zeitschriften innerhalb der Verlagslandschaft positioniert sind und funktionieren.

Literatur: Breyer-Mayländer, Thomas: Wirtschaftsunternehmen Verlag. Bramann: Frankfurt am Main 2001 – Bücher machen. Ein Handbuch für Lektoren und Redakteure. Bramann: Frankfurt am Main 2004 – Krones, Susanne: Akzente im Carl Hanser Verlag. Geschichte, Programm und Funktionswandel einer literarischen Zeitschrift 1954-2003. Wallstein: Göttingen 2009 – Literatur der Jahrtausendwende. Themen, Schreibverfahren und Buchmarkt um 2000, hrsg.  von Evi Zemanek und Susanne Krones. Bielefeld: transcript 2008 – Röhring, Hans-Helmut: Wie ein Buch entsteht. Primus: Darmstadt 1997 – Reclams Sachlexikon des Buches, hrsg. v. Ursula Rautenberg. Reclam: Stuttgart 2003

Scheinerwerb: Regelmäßige Teilnahme an den Veranstaltungen des Blockseminars, Übernahme eines Schwerpunktthemas (Präsentation und schriftliche Ausarbeitung) sowie Teilnahme an kleinen, praktischen Übungen, in denen sich die Studierenden in dem ausprobieren, was die Arbeit eines Zeitschriftenredakteurs ausmacht: lesen (Manuskripte), bewerten (Lektoratsgutachten), konzipieren und akquirieren (Entwickeln eigener Ideen, Recherche von Themen, Akquise von Autoren), bearbeiten (Redaktion von Passagen aus Originalmanuskripten und Übersetzungen) und schreiben.

Teilnahmevoraussetzungen: Teilnehmen können Studierende ab dem 3. Semester. Aus organisatorischen Gründen ist das Praxisseminar auf 15 Teilnehmer beschränkt. Anmelden können sich Interessierte bis 15. März 2010 bei Josefa.Hoenig@sprachlit.uni-regensburg.de.

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